Kopfkino | Lieblingslied

Both sides now

von am 23. Mai 2018

„Both sides now“
Ein Lied von Joni Mitchell, ein paar Mal gecovert, sogar von meinem persönlichen Helden Ronan Keating. Ich habe es schon im Gesangsunterricht gesungen und wünsche mir, wie nichts sonst, das Lied auch irgendwann mit dem Chor zu machen.

Dieses Kopfkino wird heute sehr privat und die Filmreihe hat drei Teile.
Herzlich willkommen.

Both sides now

Rows and flows of angel hair

And ice cream castles in the air

And feather canyons everywhere

I’ve looked at clouds that way

 

Es war einmal ein Mädchen. Das schaute stets verträumt zum Himmel heraut. Die Wolken dort am Himmel regten sehr ihre Fantasie an. Sie sah stets ganze Geschichten in diesen Wolken, die sie auch aufschrieb. Engelshaare wurden über den Himmel gespannt. Schlösser wurden im Himmel gebaut, die aus Eiscreme, aus Zuckerwatte und Glitzer waren. Die Welt schien unendlich, Träume konnten war werden. Und alles war stets hell, alle Menschen waren gut und das Leben hielt so viele Möglichkeiten für das Kind bereit.

 

But now they only block the sun

They rain and snow on everyone

So many things I would have done

But clouds got in my way

 

Aber irgendwann, da wurden die Wolken am Himmel auf einmal grau. Die ganze Welt war auf einmal grau. Es regnete und die Welt des Mädchens stand Kopf. Nichts war mehr so, wie es vorher. Die Kindheit endete mit einem Schlag. Viele Träume zerbrachen und das Mädchen stellte fest, dass das Leben nicht einfach ist. Es bestand nicht nur aus spielen und lachen. Tränen flossen, es galt, viel zu ertragen und durchzustehen.

 

I’ve looked at clouds from both sides now

From up and down and still somehow

It’s cloud’s illusions I recall

I really don’t know clouds at all

 

 

 

Aber nach allen dunklen Wolken kam auch wieder der Sonnenschein. Das Mädchen verstand schnell, dass es eben beide Seiten geben muss. Und sie beschloss, sich die Zuckerwattewolken im Herzen einzuschließen, damit sie an dunklen Tagen nicht verzweifeln muss. Denn eines war ihr klar. Egal wie viele dunkle Wolken sie nun auch schon erlebt hatte, alle kannte sie noch nicht.

 

 

Moons and Junes and ferries wheels

The dizzy dancing way you feel

As every fairy tale comes real

I’ve looked at love that way

 

 

Mit der Sonne im Herzen ging ihr Leben weiter und sie wurde zu einer jungen Frau. Sie verliebte sich und alles schien so leicht und einfach. Sie war schwindelig vor Glück, es war wie Tanzen und mit der Hochzeit wurde ein Märchen war. Es konnte doch nur alles gut werden, wenn man den richtigen Mann an seiner Seite hatte. Es konnte einfach nicht anders sein.

 

 

But now it’s just another show

You leave ‚em laughing when you go

And if you care, don’t let them know

Don’t give yourself away

 

 

 

Aber in jedem Märchen muss es auch etwas „Böses“ geben. Es war das Unberechenbare. Alles war so gut geplant. Haus, Kinder und einfach ein traumhaftes Familienleben sollte es werden. Aber das Schicksal wollte es anders. Krankheit und Schicksalsschläge meinten es anders und das Leben ging seinen eigenen Weg.

 

 

I‚ve looked at love from both sides now

From give and take and still somehow

It’s love’s illusions I recall

I really don’t know love at all

 

 

 

Viele verstanden den Weg nicht, gaben den Verliebten die Schuld an ihrem Schicksal. Aber sie wussten, sie hatten sich und gaben sich nicht auf. Die Liebe wurde mit neuen Inhalten gefüllt, das Leben bekam einfach einen neuen Sinn. Die Liebe war nun voller Musik und Poesie. Das eigene Lachen erfüllte die Herzen.

 

 

Tears and fears and feeling proud,

To say „I love you“ right out loud

Dreams and schemes and circus crowds

I’ve looked at life that way

 

 

Und dann kamen die Tränen und die Ängste, aber auch das Gefühl von Stolz. Es gab ein Gefühlschaos und die Frau wusste nicht, wie ihr Geschah. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Es wächselte sich ab. Und das kleine Monster wechselte sich mit den zu lebenden Träumen in der Manege ab.

 

 

But now old friends they’re acting strange

They shake their heads, they say I’ve changed

Well something’s lost, but something’s gained

In living every day.

 

 

Freunde verstanden die Frau nicht oder das, was sie durchmachte. Sie  veränderte sich, weil das Leben sich veränderte. Dennoch war sie noch immer dieselbe, nur waren ihre Eigenschaften nun anders verteilt und gemischt. Sie musste sich neu definieren und mit sich selbst umgehen, damit das Leben sie nicht aus der Bahn werfen konnte.

 

 

I’ve looked at life from both sides now

From win and lose and still somehow

It’s life’s illusions I recall

I really don’t know life at all

I’ve looked at life from both sides now

From up and down, and still somehow

It’s life’s illusions I recall

I really don’t know life at all

 

 

Leben geht auch heute noch weiter und alles, was in den letzten Jahren geschehen ist, wird nun verarbeitet. Alles was vergraben wurde, kommt nun hoch. Und die Frau nimmt es mutig an und geht ihren weg. Um zu verstehen, wer sie ist, um zu verstehen, was es heißt zu leben. Um zu verstehen, dass Lebem beide Seite haben darf. Die gute und die schlechte und das man sich auch mal schwach fühlen darf. Man muss nicht nur stark sein, man muss nicht nur immer gut gelaunt sein und man muss sich für seine Tränen nicht schämen. Denn das Leben ist einfach so.

weiterlesen

Chor | Kopfkino | Lieblingslied

Fields of Gold

von am 18. Mai 2018

Ich habe meinen kleinen Blog sträflich vernachlässigt und möchte nun eine Reihe starten, die Kopfkino heißt. Im Chor werde ich oft gefragt, wie ich mir die Texte so schnell merken kann. Nun, ich bin ein sehr bildlicher Mensch. Ich glaube, deswegen lese ich auch lieber, als ich fernsehe. Und auch das Schreiben geht ja in diese Richtung. Wenn ich zuviel Kopfkino habe, dann wollen die Bilder raus und festgehalten werden. Es ist wie ein Film der sich auf meiner Gehirnrinde abspielt.

Ich nutze nun „Fields of gold“ in der Chorversion, um euch meine Geschichte dazu zu erzählen. Und ich widme die Geschichte der guten Alice, der die Geschichte hoffentlich helfen wird, diesen Text zu lernen.

„Fields of gold“

You’ll remember me when the west wind moves upon the fields of barley
You’ll forget the sun in his jealous sky as we walk in fields of gold

Ich  bin Adam. Und ich musst meine Mutter für eine Zeit verlassen. Ich wusste nicht, wann ich wieder komme, es konnte auch sein, dass ich für immer fort bleiben würde. Der Krieg war schuld. Ich sollte an der Front dienen. Sie sagte, dass sie das versteht, aber natürlich hatte sie Angst um mich. An dem Tag haben wir einen letzten Spaziergang gemacht. So wie früher. Über unsere Gerstenfelder. Die Sonne stand gerade sehr hoch am Himmel. Für Mai hatte sie schon eine sehr große Kraft. Vor der Sonne suchten wir Schutz am Rand der Felder und sie erzählte mir von Früher. Als ich noch ein Kind war. Dabei traten ihr die Tränen in die Augen, die sie sofort wegwischt.
Ich solle mir keinen Kopf machen, sagte sie.
Daraufhin legte ich meinen Kopf auf ihren Schoss, so wie ich das als kleiner Junge immer gemacht hatte. Und sie strich mir gedankenverloren über meine strohblonden Haare.
Ich wollte ihr etwas von der Traurigkeit nehmen und so sagte ich:
„Mama, immer dann, wenn der Westwind hier über unsere Felder weht, dann denk an mich. Und selbst wenn die Sonne noch so heiß am Himmel steht. Stell dir einfach vor, du gehst mit mir hier spazieren und schon wird es dir gut gehen.“

So she took her love for to gaze awhile upon the fields of barley
In his arms she fell as her hair came down among the fields of gold

Sie antwortete nicht. Sie saß einfach still da und tätschelte weiter meinen Kopf. Und sie bestaunte das Gerstenfeld und auch ich setzte mich wieder auf, und tat es ihr gleich.
Meinem Impuls folgend, legte ich meinen Arm um die Schulter meiner Mutter. Ich langen, mittlerweile ergrauten Haare, strichen über meinen Arm. Sie war so klein. Früher wirkte sie immer so groß. Aber nun war ich der Große.

Will you stay with me, will you be my love among the fields of barley?
We’ll forget the sun in his jealous sky as we lie in fields of gold

„Mein Sohn, ich weiß, dass du immer bei mir sein wirst.“
Ihre rechte Hand legte sie auf ihre Brust, dort, wo ihr Herz schlug.
„Du bist immer in meinem Herzen und dein Herz wird immer bei mir sein, weil du mein Sohn bist. Du nimmst mich und deine Heimat mit und du wirst auf dich aufpassen und gesund wiederkommen. Und ich werde hier warten, hier in den Gerstenfeldern, wenn die Sonne wieder hoch am Himmel steht.“ Dabei sah sie mich nicht. Sie schaute weiter verträumt und melancholisch auf die weiten Gerstenfelder, die die Sonne mittlerweile in ein strahlendes Goldmeer verwandelte.

I never made promises lightly and there have been some that I’ve broken
But I swear in the days still left we’ll walk in fields of gold
We’ll walk in fields of gold

Diese Geschichte ist nun schon lange her. Ich habe den Krieg überlebt und bin zu meiner Mutter zurückgekommen und wir sind wieder durch Gerstenfelder gegangen. So konnte ich meine Erfahrungen aus dem Krieg verarbeiten. Ich habe sie noch bei mir, aber sie sind nicht mehr unerträglich. Ich habe selbst viele verletzt und Versprechen gebrochen. Doch dieses habe ich gehalten. Weil meine Mama und die gemeisamen Spaziergänge einfach so heilsam für mich waren und noch immer sind.

Many years have passed since those summer days among the fields of barley
See the children run as the sun goes down among the fields of gold
You’ll remember me when the west wind moves upon the fields of barley
You can tell the sun in his jealous sky when we walked in fields of gold
When we walked in fields of gold, when we walked in fields of gold

Nach all den Jahren komme ich noch immer regelmäßig zu meiner Mama. Ich habe selbst eine Familie. Eine tolle Frau und zwei bezaubernde Töchter. Heute liege ich auf dem Schoß  meiner Frau am Gerstenfeld, während sie meinen Kopf tätschelt. Meine Mutter ist zu Hause und bereitet das Essen vor. Unsere Kinder rennen druch die Felder, lachen und spielen. Die Sonne ist so warm wie damals. Und als der Westwind die Gerstenhalme zum Tanzen bringt, muss ich lächeln. So viel habe ich gesehen, so viel erlebt. Aber immer wenn die Gerstenfelder sich bewegen, dann denke ich an all die schönen Zeiten und das mein Herz hier zu Hause ist.

Das sind natürlich nur meine Gedanken, die mir wie eine Art Dia-Show durch den Kopf gehen, wenn ich singe. Ich denke an Adam. Vielleicht bin ich dann gerade Adam, der mit den Gerstenfeldern Heimat verbindet, und sich auch an seine Mutter und sein Versprechen erinnert. Nie zu vergessen und immer wiederzukommen.

Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr das Lied hört? Etwas ähnliches?

 

weiterlesen

Gesangsunterricht | Lebensgefühl

Vom Singen in die Maske

von am 16. Mai 2018

Huch?

Das geht ja mal gar nicht. Wenn man sich diesen Blog so anschaut, dann sollte man meinen, mein Leben sei ganz still und Musik spiele keine Rolle mehr. Doch dem ist ganz und gar nicht so. Es ist sogar eher das Gegenteil.

Im Chor gehe ich voll auf. Mir tut das Feedback so unendlich gut, ich mag die Choruschis und die Atmosphäre während der Proben. Ich freue mich jedes Mal unendlich, wenn eine neue Probe vor der Tür steht. Im Moment arbeinten wir an unserem Auftritt am 01. Juli im TAM in Bielefeld. Eine Veranstaltung, in der nur der Chor autreten wird.  Songs wie Fields of gold und You´ve got a friend begleiten mich seit Wochen und wecken so viel in mir an Emotionen. Das ist erschreckend und beruhigend zur gleichen Zeit!

Im Gesangsunterricht komme ich gut voran. Und soviel Lob wie in den letzten Wochen habe ich schon ewig nicht mehr kassiert. Wie von alleine vibrieren die Töne in der Maske und alles vibriert. Das habe ich durch viel üben und am Ball bleiben geschafft. Und ich finde, darauf kann ich zu recht stolz sein.

Und auch als Songwriterin bin ich nicht untätig. Nach einem Album voll mit englischen Texten, welches nun von Sascha noch ausgearbeitet wird, schreibe ich mein Soloalbum Seelenbilder.

Die Lieder stehen und wachsen nach und nach. Und es wird ein Album, komplett auf deutsch. Räubertochter wird die erste Single. Ich erfülle mir einen Traum, das mache ich für mich. Denn wenn ich Räubertochter sein will, dann kann ich das!

„Räubertochter“ #mysong #mywords #mymelody #singer #songwriter #deutschpop #deutschrock

Ein Beitrag geteilt von Seelenbilder (@seelenbildermusik) am


 

weiterlesen